FANTÔMAS: Ein Zug verschwindet - Souvestre & Allain
Fantômas wird 100! Und er ist quicklebendig, der Herr des Grauens, der Meister des Schreckens, der Mann mit der Maske treibt sein Unwesen nicht nur in Paris und Bordeaux: Nachdem ein Streik der Seeleute die Fähren über den Ärmelkanal lahmlegt und seinen Plan vereitelt, den englischen Gesandten Sir Harrysson in seinem Heimatland um fünf Millionen Pfund zu erleichtern, sieht sich Fantômas genötigt, sein Betätigungsfeld auf Belgien und Deutschland auszudehnen.
Alle Fäden des Geschehens laufen in einem Zug zusammen, der den berühmten Zirkus Barzum zu seinen Gastspielen befördert. Erste Station der Tournee ist Köln, wo ein längerer Aufenthalt geplant ist. Ganz ungeplant verläuft hingegen die Weiterreise, als Fantômas den Führerstand der Lok betritt, um Inspektor Juve zu entkommen ...
Pünktlich zum Jubiläum erscheint in der Edition Epoca der erste Band einer neuen Reihe mit den Abenteuern des unsterblichen Verbrecherkönigs und seines genialen Gegenspielers Juve. Unter anderem verfilmt mit Jean Marais und Louis des Funès. Wer Tempo, Nervenkitzel und schwarzen Humor liebt, darf sich diesen Leckerbissen der Kriminalliteratur nicht entgehen lassen.
Souvestre & Allain
FANTÔMAS
Ein Zug verschwindet
Roman
Aus dem Französischen
von Lea Rachwitz
Leinen, Fadengeheftet
399 Seiten
€ 24.90 / € 25.60 / CHF 29.00
ISBN: 978-3-905513-54-7
Pierre Souvestre wurde am 1. Juni 1874 als Sohn eines Präfekten im bretonischen Plomelin geboren, wuchs in Paris auf und starb dort am 26. Februar 1914 an der "spanischen Grippe" (Lungenstauung). Er war Rechtsanwalt, Journalist und Schriftsteller, aber auch bekennender Technik- und Motorsportfan. Er verkehrte in der besseren Pariser Gesellschaft und erhielt zahlreiche Ehrungen. Bei einem Englandaufenthalt hatte Souvestre seine Geliebte Henriette Kistler kennen gelernt, die als Vorbild für die Figur der Lady Beltham in den Fantômas-Romanen diente. Zwölf Jahre nach Souvestres Tod heiratete Kistler seinen Ko-Autor Marcel Allain.
Marcel Allain wurde 1885 in Paris geboren, wo er zeitlebens wohnte und arbeitete. Er starb 1969. Wie Souvestre entstammte er einer bürgerlichen Familie und studierte ebenfalls Jura, bevor er Journalist und Schriftsteller wurde. Seine heimliche Leidenschaft galt der Seefahrt. 1909 begann er als Souvestres Assistent; nach dessen Tod schrieb er allein noch weitere neun Fantômas-Folgen, denen allerdings weniger Erfolg beschieden war als den gemeinsam verfassten. Insgesamt veröffentlichte Allain mehr als 400 Bücher.
Pressestimmen
"Dank Louis de Funès hat man Fantômas lange unterschätzt. Aber nun kann man den wahren Teufelskerl kennenlernen – im Roman seiner Schöpfer."
Die literarische Welt vom 19. August 2011
"Was die Fantômas-Bücher zusammenhält, sind ihre abenteuerlichen Zutaten: Personen, Schiffe, Züge – alles kann verschwinden. Es zirkulieren Briefe mit gefährlichen Botschaften, man reist in geheimer Mission. Freunde werden verraten, Geliebte gerächt. Alle haben falsche Namen und treten in Verkleidung auf. Fantômas gehören die Nacht und die unterirdischen Gefilde, wo das Unbewusste und Antibürgerliche haust."
Neue Zürcher Zeitung vom 24. August 2011
"Die Dekadenz der alten Gesellschaft, die kommende linke Unterhöhlung der alten Machtstrukturen, das Heraufkommen desFaschismus, der im Moment desVolkstümlichen keinen Hehl aus seiner Menschenverachtung macht: mit guten Gründen hat man schon viel inFantômas hineininterpretiert. Aber das ist es eben, was die Figur auszeichnet: dass sie jede Maske tragen und ewig unkenntlich bleiben kann."
Stuttgarter Zeitung vom 1. September 2011
"So wie Fantômas, der dieses Jahr einhundert Jahre geworden ist. Solange narrt das Phantom der tausend Masken und tausend Identitäten die Welt - multimedial, burlesque, wahnwitzig. Die Surrealisten haben ihn kultisch verehrt, er gehört zu den großen Mythen des 20. Jahrhunderts, seine Erfinder sind weit hinter ihre Figur zurückgetreten. Die Edition Epoca beginnt endlich mit einer deutschen Gesamtausgabe in Glimmer und Glitter. Ein Zug verschwindet heißt der erste Band, der zeigt, dass man auch mit schlampigen Plots, Redundanzen und massiver Zeilenschinderei zur Weltliteratur werden kann. Zur Nachahmung nicht empfohlen, denn auch so was muss man genial hinkriegen können."
Kaliber 38 vom 19. September 2011
"Mit Ein Zug verschwindet wagt die Schweizer Edition Epoca aber nun den Auftakt zu einer Serie, die Fantômas auch einem deutschen Publikum endlich wieder zugänglich machen kann, machen solte: Die Originalausgaben sind mittlerweile Raritäten, frühere deutsche Übersetzungen vergriffen. Die Neuübersetzung von Lea Rachwitz , transferiert den schundigen Charme der Vorlage famos und lässt, kaum ist die letzte Seite gelesen, nach Fortsetzung schmachten."
Schnüss, Bonner Stadtmagazin 09/11
"So manifestiert sich im bahnbrechenden Erfolg der Figur auch die Angstlust eines 'Zeitalters der Nervosität' – ein Begriff des Historikers Joachim Radkau – vor und an der Moderne. Nicht umsonst erblickten damals auch andere Superverbrecher wie der 1905 von Maurice Leblanc erfundene Meisterdieb Arsène Lupin oder der 1919 von Norbert Jacques erschaffene Dr. Mabuse das Licht der Welt. Sie wirken wie negative Präfigurationen von Comic-Superhelden wie Superman oder Captain America. Fantômas sei 'der schwarze Mann, der alle Ängste der Bürger zusammenfasst', konstatiert der Kulturwissenschaftler Thomas Brandlmeier in seiner Studie Fantômas – Beiträge zur Panik des 20. Jahrhunderts. Die Benutzung von Giftgas, Flammenwerfern und Zeitbomben in den Büchern von Souvestre und Allain wirkt am Vorabend des Ersten Weltkriegs geradezu prophetisch."
Tagesspiegel vom 29. September 2011
"Der Tod ist unsterblich, doch was ist mit dem Verbrechen? Fantômas gilt als furchtbarster aller Verbrecher - gesichtslos wie Carlos, fanatisch wie Bin Laden. Die Verbrechen der modernen Welt sind wie von Fantômas erdacht. 'Fantômas ist eine Figur, die sich ideal eignet, um alle Ängste darauf zu projizieren', sagt der Autor Thomas Brandlmeier. 'So sind auch diese Serienromane von den Autoren angelegt worden, das man immer aktuelle Ereignisse sofort aufgreift und in die Romane einbaut.'"
3SAT, Kulturzeit vom 4. Oktober 2011
"Weil Serien-Killer wie der TV-Psychopath Dexter en vogue sind, ist auch Fantômas auf der Höhe der Zeit. Wem also Weihnachten viel zu besinnlich war, der kann seine dunklen Phantasien mit diesem restaurierten Roman pflegen."
Spiegelonline, vom 26. Dezember 2011
Dann stürzte sich Juve wie ein Wahnsinniger auf ihn. Aus Leibeskräften brüllte der Polizist:
"Fantômas! Ah, du bist Fantômas! ...
Und Gérard, der falsche Gérard schrie seinerseits:
"Juve! Juve! Du Dummkopf, du bist unbewaffnet!"
Die beiden Männer prallten aufeinander, denn als sich der falsche Fantômas, als sich Juve auf ihn geworfen hatte, war der falsche Gérard, also Fantômas, gleichfalls nach vorn geprescht. Juve umklammerte den Herrn des Grauens, den er endlich erkannt hatte.
"Du mieser Halunke!", rief er aus.
Doch als er den Schurken beim Arm packte, schrie er vor Schmerz laut auf. Juve ließ los ...
Aus seinen aufgeschlitzten Händen floss das Blut in Strömen, während Fantômas, der die Arbeiter herbeilaufen sah, den Polizisten mit einem höhnischen Lachen brutal beiseitestieß und flüchtete, einfach hinter den Paketbergen verschwand, die sich in der Lagerhalle türmten ...