Nagasaki, ca. 1642 - Christine Wunnicke

Einst war Seki Keijiro ein hochgeachteter, berühmter Mann. Da seit einiger Zeit in Japan Friede herrscht, hat er nicht mehr viel zu tun und gibt sich dem Müßiggang hin. Jedoch hat er seit gut vierzig Jahren eine offene Frage, die vielleicht auch eine offene Rechnung ist.
Später wîll Seki überraschend Inspektor der Handelsniederlassung Deshima werden und tritt diese Stelle zum Erstaunen seiner Familie an. Auf dieser künstlichen Insel vor Nagasaki müssen die Angestellten der niederländischen Ostindien-Kompanie ausharren, seit Japan für europäische Barbaren die Grenzen schloss.
Abel van Rheenen dient den niederländischen Kaufleuten als Dolmetscher. Er möchte etwas lernen und die japanische Seele erkunden. Der Inspektor gewöhnt sich an den jungen Mann, der zu viel redet, und der Dolmetscher lernt mehr, als gut für ihn ist.
»Nagasaki, ca. 1642« ist die Geschichte einer Verführung nach den Regeln der Kriegskunst.

Nagasaki, ca. 1642

Christine Wunnicke
Nagasaki, ca. 1642
Novelle
112 Seiten
Leinen, Fadenheftung
 € 16.50 / € 17.00 (A) / CHF 24.90
ISBN: 978-3-905513-51-6

 

Christine Wunnicke, * 1966,  hat neben zahlreichen Radiofeatures und Hörspielen vier Romane veröffentlicht  (»Fortescues Fabrik«, »Jetlag«, »Die Kunst der Bestimmung«, »Serenity«), eine Biografie des Kastratensängers Filippo Balatri (»Die Nachtigall des Zaren«) und besorgte die erste deutsche Ausgabe der Gedichte von
John Wilmot, Earl of Rochester.

Pressestimmen

"Die kühne, raffinierte Novelle Nagasaki, ca. 1642, Wunnickes erster literarischer Schritt in den fernen Osten, handelt von der Unmöglichkeit im Hin und Her zwischen zwei Sprachen und zwei Welten das richtige Wort für Liebe zu finden."
Der Spiegel vom 23. August 2010


"Christine Wunnicke schafft mit dieser Geschichte eine Novelle im ursprünglichen Sinne: Sie beschreibt - auf höchstem Sprachniveau - einen Konflikt zwischen Ordnung und Chaos, Normenbruch und Einmaligkeit. Und was eine gute Novelle auszeichnet, ist hier selbstverständlich: Einmal angefangen zu lesen, gibt es kein Halten mehr ... "
Main Echo vom 4. September 2010

Christine Wunnicke

Abel van Rheenen hatte schon am Vorabend beschlossen, auf jegliche Hurerei zu verzichten: aus Trotz und aus einem gewissen Gefühl von Unrichtigkeit heraus, das er sich nicht recht erklären konnte. Und nun, mit all den kleinen Schätzen seiner Gastgeberin und mit ihr selbst, die aus unerfindlichen Gründen noch immer bei jeder Bewegung ein wenig klingelte, obschon er alles aus ihrem Haar gezogen hatte, was darin hätte klingeln können, war er vollauf beschäftigt und zufrieden, und er war auch recht betrunken. Beseligt drehte er ein grünes Stäbchen in den Fingern, das auf der einen Seite in einen silbrigen Wedel auslief und vielleicht einen Schilfhalm nachbildete, und er wusste nicht mehr, woher er es hatte, aus einem Schächtelchen, einem Väschen, aus dem Grillenhaus oder doch wieder aus ihrer Frisur? Die Hure kicherte leise und klingelte leise und neigte den Kopf, und Abel bestaunte ihren bloßen Nacken und fragte sich, wie weit die weiße Schminke wohl reiche, ob ihr ganzer Rücken wohl aussehe wie ein makellos lackiertes Ei?